Aussterben der Autobauer in Australien
Down Under ist beim Autobau endgültig am Boden: Nachdem zuletzt schon die Hersteller Toyota und Ford die Produktion in Australien eingestellt hatten, ist Holden als letzter Mohikaner auf dem Fünften Kontinent geblieben. Doch auch dieses Kapitel ist beendet. Denn jetzt hat der zu dem General-Motors-Konzern (GM) gehörende Autobauer sein letztes Werk vor den Toren der Metropole Adelaide im Bundesstaat South Australia geschlossen.
Das letzte in Australien produzierte Auto ist ein roter Holden mit Stufenheck. Er soll fortan im Museum zu bewundern sein. „Dieses Auto ist der beste Holden, den wir hier jemals gebaut haben“, sagte Werksleiter Richard Phillips der australischen Tageszeitung „Herald Sun“. Gerade zu Holden pflegten die Menschen seit vielen Jahren eine innige Liebesbeziehung. Die Marke stellte 1948 das erste Auto in größerer Serie her. Zur Blütezeit beschäftigte Holden rund 24.000 Menschen, und die Marke wurde praktisch zum australischen Kulturgut. Und das spiegelt sich in der Werbung wider. Einer der bekanntesten Slogans lautet: „Die Zeiten sind hart, aber Australier und Holden sind härter.“ Jetzt gehört auch dieser Spruch nur noch in die Mottenkiste.
Damit werden auf dem riesigen Kontinent keine Autos mehr gebaut, und die 1.000 übrig gebliebenen Beschäftigten verlieren ihren Job. Als letzte Aktion stellten sie sich vor das Werksgelände in Adelaide und formten die Buchstaben von „Holden“ – eine wirklich rührende Abschiedsgeste. „Es gibt eine Reihe von Leuten, die seit den 1970ern hier arbeiten. Heute ist ein sehr emotionaler Tag für einige und ein sehr trauriger“, sagte Gewerkschaftler John Camillo stellvertretend für viele Australier.

Viele Australier verdrücken nach der Notbremse von Holden sicher ein paar Tränen. Auch der Politik geht dieses Thema offenbar sehr nahe. Ich bin sehr traurig, wie wir alle“, sagt Australiens Premierminister Malcolm Turnbull. Holden baut zwar auch in Zukunft Autos – nur nicht mehr in Australien. General Motors verkauft die Holden-Modelle in anderen Ländern unter der Marke Chevrolet. Ob die Australier der Marke allerdings weiterhin die Treue halten, darf angesichts dieser Entwicklung bezweifelt werden. mid
Fotos: Holden
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