Der Spaß an altem Blech wird wieder erschwinglicher
Old- und auch Youngtimer haben in den vergangenen Jahren viel an Aufmerksamkeit und Beliebtheit gewonnen. Davon zeugt nicht nur der immer vollere Terminkalender an Klassiker-Veranstaltungen, sondern auch ein wachsendes Angebot an Touren und Reisen mit alten bzw. älteren Fahrzeugen. Hinzu kommt, dass sich das sogenannte „Garagengold“ in der jüngeren Vergangenheit – insbesondere seitdem Niedrigzinsen die Kreativität von Sparern wie von Anlegern herausfordern – vielfach als attraktives Investment mit guten Aussichten auf hohe Wertzuwächse erwiesen hat.

Inzwischen hat sich der Rauch der Preisexplosion am Oldtimermarkt jedoch etwas verzogen. Marktkenner erkennen eine gewisse Konsolidierung. So registriert der Deutsche Oldtimer Index des Verbands der Automobilindustrie (VDA) für 2017 einen weiter deutlich verlangsamten Preisanstieg bei Oldtimern in Deutschland. Entsprechend legte der heimische Oldtimerindex im vergangenen Jahr nur noch um 1,4 Prozent zu. Zum Vergleich: 2015 lag der Index noch mit 5,6 Prozent im Plus. Und das zehnjährige Mittel der Wertsteigerung bei alten Autos fällt laut dem Oldtimer-Index mit 5,8 Prozent pro Jahr sogar noch höher aus.

Hat der Höhenflug der alten Schätzchen damit ein unsanftes Ende gefunden, sind Renditeträume geplatzt und die Aussichten auf langfristige Wertsteigerungen bei Oldtimern vorbei? Mitnichten, meinen Klassiker-Experten. Aus ihrer Sicht halten sich jetzt die überwiegend an der Geldanlage Interessierten etwas zurück, wodurch zwangsläufig das Angebot wächst, was wiederum Druck auf die Preise auslöst. Mehr und mehr seien die Oldtimer-Fans wieder unter sich, heißt es bei den Branchenkennern. Und sie bewerten diese Entwicklung durchaus nicht als nachteilig. Die im Vergleich zu den exklusiven Sammlerstücken ungleich größere Zahl an günstigeren Old- und Youngtimern werde mit der Marktberuhigung wieder für mehr Interessenten erschwinglich.
Das Kraftfahrt-Bundesamt registrierte im Jahr 2015 rund 7,8 Millionen Young- und Oldtimer in Deutschland. Das entsprach einem Plus von 19 Prozent, gemessen an 2013. Von diesen Fahrzeugen waren mehr als sieben Millionen älter als 15 Jahre und zählten somit zu den sogenannten Youngtimern. Die mehr als 30 Jahre alten Oldtimer, die auch das „H“-Kennzeichen tragen dürfen, summieren sich demnach hierzulande auf rund 700 000 Exemplare.

Im Vergleich mit so manchem „Sonderangebot“ mit besserem Material fährt so mancher Käufer auch unterm Strich besser. Ungeachtet dessen will auch ein Altfahrzeug bewegt, instandgehalten und mitunter auch repariert werden. Den Wertverlust von Neuwagen mit eingerechnet, bezweifeln jedoch Experten, dass die Ausgaben für Wartung und Werkstatt bei sogenannten „Alltagsklassikern“ tatsächlich höher ausfallen als die für Inspektionen und Service bei neuen Fahrzeugen.
Allerdings warnen die Fachleute auch davor, sich durch vermeintlich niedrige Preise leichtfertig zum Kauf eines früher unerschwinglichen Modells der Luxusklasse verleiten zu lassen. Denn auch für alte Technik gilt: je aufwendiger, desto teurer der Unterhalt und desto kostenintensiver die Reparaturen. Aber auch ältere Autos sind „Fahr“zeuge und keine „Steh“zeuge. Wer es so sieht, der erlebt mit seinem Klassiker das Vergnügen einer individuelleren Fortbewegung im Alltag. ampnet
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