Ford Focus RS – „Fährste quer, siehste mehr…“
Der Ford Focus RS ist das Schärfste, was Ford in der Kompaktklasse zu bieten hat. Er steht für Rückenschmerzen bei schlechtem Geläuf und einen extravaganten Auftritt mit überdimensioniertem Heckspoiler. 


Der Abschied vom Frontantrieb des Vorgängers zugunsten des Allradantriebes war sinnvoll, denn die Traktion ist so deutlich besser. Dabei setzt man bei Ford nicht auf den Haldex-Antrieb, wie das Audi, Mercedes oder VW machen, sondern entwickelte mit zwei elektronisch gesteuerten Lamellen-Kupplungen an Vorder- und Hinterachse kurzerhand einen eigenen Antrieb. Dadurch können maximal 70 Prozent der Leistung auf die Hinterachse übertragen werden.

Angetrieben wird der Spaßmacher von einem 2,3 Liter 4-Zylinder Motor, der auch aus dem kleinen Mustang bekannt ist. Im Vergleich zum fünf-zylindrigen Vorgänger empfinden manche den Verlust eines Zylinders als Nachteil, aber der Allradantrieb und die Ecoboost-Funktion entschädigen. Ein neuer Cosworth-Alu-Zylinderkopf, mechanische Hochglanzpolitur, optimierte neue Ladebuchsen, neuer Turbolader, gewachsene Ladeluftkühler, ein optimiertes Einlasssystem und eine Klappenabgasanlage ohne Mittelschalldämpfer beschleunigen den 1.530 Kilo schweren Rennzwerg in 4,7 Sekunden auf Tempo 100.
Erst bei 266 Stundenkilometern endet die Gasdruck-Orgie – damit ist dieser Focus auch auf deutschen Autobahnen ein gefürchteter Gegner. Wer es drauf anlegt, der soll den Rennzwerg mit 7,7 Litern Verbrauch fahren können. Unter 10 Litern haben wir es jedoch selten geschafft. Untermalt wird der Drehzahl-Tanz von „Bangs und Brubels“ im Sport-Modus. Das ist zwar weit entfernt von langweilig, trotzdem konstatiert man, dass die Konkurrenz aus München, Stuttgart und Ingolstadt hier in punkto Punch und brachialem Sound die Nase leicht vorne hat.
Was jetzt passiert ist wundersam. Der Fahrer muss den Focus RS nur im richtigen Winkel quer-stellen, Gas durchdrücken, Lenkrad festhalten und bei qualmenden Reifen mit dem Gasfuß spielend lenken. Ausgiebige und kontrollierte Quer-Fahrten sind so möglich. Auf öffentlichen Straßen sollte man das jedoch nicht ausprobieren. Für Spielereien dieser Art bieten abgesperrte Plätze, Flughäfen, Fahrsicherheits-Zentren oder Rennstrecken eine sichere Heimat. Wenn man jetzt noch einen guten Draht zum Reifenhändler hat, dann steht dem Driften nichts mehr im Wege.
Der Ford Focus RS ist schon heute unser Spaßmacher des Jahres in der Welt der kompakten Sportler. Dabei bleibt sein Preis/Leistung weiter unerreicht. Denn für 40.000 Euro bekommt man bei Ford nicht nur einen Allrad-Sportler mit beeindruckendem Handling und Drift-Skills, sondern auch ein Auto, das im deutschen Saarlouis gebaut wird und auch im Alltag problemlos fahrbar ist. Kann man sich mit dem etwas aufdringlichen Look mit dem überdimensionierten Dachspoiler anfreunden, so ist der Focus RS verglichen mit der Premium-Konkurrenz ein echtes Schnäppchen. Denn der ebenfalls allradgetriebene direkte Konkurrent VW Golf R leistet „nur“ 310 PS, bringt „nur“ 380 Newtonmeter Drehmoment auf die Straße und braucht 5,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Er kostet in deutlich „dünnerer“ Grundausstattung trotzdem 40.750 Euro.
Technische Daten:
Ford Focus RS
Fünftüriger, viersitziger Kompaktwagen mit Allrad;
Länge/Breite/Höhe/Radstand in Metern: 4,39/2,01/1,47/2,65,
Leergewicht 1.529 kg,
max. Zuladung: 496 kg,
Kofferraumvolumen: 260 l – 1.045 l,
Tankinhalt: 62 l.
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner,
Hubraum: 2.261 ccm,
Leistung: 257 kW/350 PS bei 6.000/min,
maximales Drehmoment: 440 Nm bei 2.000/min – 4.500/min,
0 bis 100 km/h: 4,7 s,
Höchstgeschwindigkeit: 266 km/h,
Normverbrauch: 7,7 Liter Benzin je 100 km,
CO2-Ausstoß: 175 g/km,
Preis: ab 40.000 Euro.
Jan Weizenecker
Absolvent der Volks- und Betriebswirtschaftslehre der Albert-Ludwigs Universität Freiburg. Mal in kleinerem, mal in weiterem Radius, aber immer mit der nötigen Portion Humor, berichte ich seit 2012 über die Neuerscheinungen der Automobilwelt.
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