Mein erstes Mal: Goodwood „Festival of Speed“
Gehört und gelesen hatte ich als bekennender Auto-Verrückter schon oft von Goodwood. Spektakuläres soll es da zu sehen und zu erleben geben. Aber irgendwie hatte es sich für mich bisher nie ergeben. So habe ich dankend die Einladung von McLaren angenommen, die – könnte es ein besseres Umfeld geben? – auf dem Festival of Speed ihren 600LT vorstellen, der zur Sportserie der englischen Supersportwagenschmiede gehört.
Was ist dieses Festival der Geschwindigkeit eigentlich? Es ist eine wilde Mischung aus Auto-Messe, Oldtimer-Show, Auto-Rennen, Flug-Show und vielem mehr. Die Faszination von Goodwood zu beschrieben ist nicht leicht, man muss dieses Event wohl selbst erleben, um verstehen zu können, was Jahr für Jahr im Juli von Donnerstag bis Sonntag täglich mehr als 100.000 Menschen in seinen Bann zieht. Dabei hatten ich und die anderen Besucher 2018 Glück, denn es blieb trocken und heiß. Aber ich habe mir berichten lassen, dass die Menge sich auch nicht von englischem Wetter abhalten lässt. Den ein oder andere freut sich vielleicht sogar, mal wieder im Schlamm spielen zu dürfen. Bei solchem Wetter machen die Traktor gezogenen Massen-Shuttles noch mehr Sinn. Denn sie bringen die Gäste zu den attraktivsten Stellen an der Strecke. Ich wage einen ersten Rundgang. Staub mischt sich in der Luft mit Gummigeruch und Friteusen-Fett. „First Glance“ steht da über brandneuen Modellen der Auto-Industrie.
Mich fasziniert der neue Rolls-Roye Cullinan. Lange haben sich die Verantwortlichen der englischen Edelmarke Zeit gelassen, einen Geländewagen zu entwickeln. Nun steht er da, groß und mächtig. Klassisch gezeichnet mit hoch-moderner Technik. Und selbstredend teuer. Ab 210.000 Pfund soll er kosten. Mich zieht es weiter zu McLaren.
„Endlich mal einen Senna live sehen.“
Und auch beim Supersportwagenhersteller wartet einen Weltpremiere: Der 600LT, ein neues Modell aus der Serie, die zwar eine Straßenzulassung bekommt, aber überwiegend auf Rennstrecken eingesetzt wird.
Lamborghini ist mit dem Ursus vertreten, BMW zeigt seine Z4 Studie, Mini eine Elektro-Studie. Um nur einige zu nennen. Ein Stück weiter werden amerikanische Oldtimer bestaunt.
Männer mit Bier aus Plastikbechern in der Hand philosophieren über die teuren Stücke. Apropos Bier. Es gibt sogar ein biologisches Goodwood Festival Lager, ein Bier, das in einer lokalen Brauerei in Sussex gebraut wird und durch seinen frischen Geschmack einem guten deutschen Kellertrüben in nichts nachsteht. Neben Bier ist hier Champagner die erste Wahl. Die Luxus-Autohersteller dieser Welt haben ihre besten Kunden eingeladen, um ihnen dieses Spektakel zu zeigen und sie dabei auch kulinarisch zu verwöhnen. In Großbritannien ersetzt Goodwood, so ein Insider, die in anderen Ländern bekannten Automessen, die hier ausgestorben sind.
Plötzlich wird es laut am Himmel. Handykameras werden einmal mehr gezückt. In geringer Höhe fliegen französische Kampfjets über das Festivalgelände und hinterlassen die französischen Nationalfarben als sich langsam auflösende Kondenzstreifen am mega-blauen Himmel. Die Piloten zeigen beeindruckend, wie exakt sie Fliegen können. So ein bissel mulmig ist mir schon, wenn sie in scheinbar geringstem Abstand ihre Bahnen kreuzen. Kaum ist dieses Spektakel zu Ende, fliegt ein Mensch aufrecht an mir vorbei. Wieder werden Kameras in Stellung gebracht. Doch schnell auf die Seite. Stewarts bahnen den nächsten Rennlegenden den Weg durch die Massen.
Auch ich bekomme Hunger und gönne mir richtig schmeckendes „Orangic Fast Food“. Die Engländer überraschen mich einmal mehr. Dazu gibt es das bereits erwähnte Bier. Wie leicht ich doch zufriedenzustellen bin.
Wo so viele Menschen hin wollen, gibt es natürlich auf viel Verkehr. Allein die Parkplätze auf den vertrockneten Wiesen rund um das Gelände sind eine Auto-Ausstellung für sich. Allerdings mit massiv mit Staub überzogenen Exponaten. Wer hin und später wieder wegfährt, muss sich auf Staus einstellen. Hotelbetten in der Nähe sind teure Mangelware. Improvisierte Campingplätze platzen aus allen Nähten. Für die Region ist das Goodwood Festival of Speed eine alljährlich wiederkehrende Finanzspritze. Dazu noch eine, die jede Menge Spaß macht. Goodwood – ich komme wieder. Deal?
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