Range Rover SVAutobiography – Luxus? Mehr Luxus? Am luxuriösesten?
Überraschende 40 Prozent aller Range Rover Käufer entscheiden sich für diese Top-Variante. Ein höherer Preis scheint diesen Luxus-SUV also noch attraktiver zu machen. Deshalb beschäftigen wir uns hier mit dem SVAutobiography. Er will der Überfluss-Perversion wohl die Krone aufsetzen. Da geht noch mehr! 183.800 Euro wollen für den mit zusätzlichem Platz und langem Radstand versehenen Grande bezahlt sein. Dieses hochbauende Auto abgehoben zu nennen, wäre reine Untertreibung. Klar geht da noch mal mehr! Denn wem die 339 PS des 4,4 Liter Benziners nicht reichen, der sollte sich einfach den 5,0 Liter V-8 Motor mit seinen 550 PS gönnen, den sein Preis von gemütlichen 196.000 Euro (Langversion) wohl noch mal – Verzeihung – geiler macht. Ist das noch britisches Understatement ?
Schauen wir uns zunächst an, wo alles beginnt. Der Range Rover SVAutobiography wird natürlich nicht am schnöden Band gefertigt. Um sein Werden kümmert sich „Special Vehicle Operations“. Ein kleines Team von Spezialisten, das Autos auf besonderen Wunsch und ausschließlich per Hand fertigt. Wer das Top-Modell optisch klar erkennbar machen möchte, der kann ihm eine Kontrastlackierung zwischen Dach und unterer Karosserie zu teil werden lassen. Schlappe 11.934 Euro verursacht die Aktion als Mehrpreis, wenn das Dach beispielsweise Schwarz und die restliche Karosserie in Silber schimmern soll. Einen besonderen Kühlergrill, grafische Elemente an den seitlichen Lufteinlässen, verchromte Türgriffe, Executive-Class-Sitze aus perforiertem Semi-Anilin-Leder und die hochglanzpolierten 21 Zoll Leichtmetallfelgen gehören bei diesem Modell zur exklusiven Exterieur Serienausstattung.
Die Ausmaße der Range Rover Langversion sind gewaltig. Ihn möchte man kaum in knapp bemessene Gefilden steuern. Besser noch, man fährt nicht mehr selbst. Ein erfahrener Chauffeur bewegt das 2.523 Tonnen schwere Schiff gekonnt, während man es sich selbst bequem machen kann. Sollte man denken. Aber dieses Auto mit seinem hochvolumigen Motor mit dem düsteren Brodeln macht Lust auf Fahren. Auf selbst fahren! Schnell ist ein ausreichend breiter Highway gefunden. In phänomenalen 5,4 Sekunden schiebt der 5.0 Liter Hammer den Koloss auf Tempo 100. Kaum vorstellbar, wenn man es nicht selbst erlebt. 
Fürstlich geht es auch im Innenraum zu. Gerade hier weiß der Brite zu überzeugen. Hochwertig verarbeitetes, gebürstetes Aluminium inmitten von lederbezogenen Armaturen und Holzverzierungen. Lederbezogen sind selbstredend auch die A-, B-, C- und D-Säule sowie der Dachhimmel. Mein Highlight ist der Massagesitz. Entspannung pur. Eine Sitzkühlung ist genauso inklusive, wie die standesgemäße Sitzheizung oder das beheizte Lenkrad. Bei der erlesenen Käuferschicht wird hiervon wohl hauptsächlich der Chauffeur profitieren. Gelebte Nächstenliebe!
Also gilt es das phänomenale Raumgefühl auf den Rücksitzen zu erfühlen. In der Langversion wird der zusätzliche Raum durch den langen Radstand zu 100 Prozent den Herrschaften in der zweiten Sitzreihe gutgeschrieben. Hier sitzen Adel oder Geldadel auf zwei sehr bequemen Einzelsitzen. Füße tauchen in hochflorige Teppiche aus Angora-Wolle ein. Durch die elektrisch aufklappbaren lederbezogenen Tische und das W-Lan an Board wird der Range auf Wunsch im Nu zum mobilen Büro. Oder doch lieber vor dem Fernseher entspannen? In den Rückteilen der Vordersitze ist je dazu ein Dispaly eingebaut. Mit der Kühlbox zwischen den Fondsitzen kann man die „Puffbrause“ passend temperiert genießen. Das hat alles was von einem Langstrecken-Flug in der First Class. Für mich kann das „mein Wohnzimmer“ werden genau wie den Wimbledon-Center-Court das für Boris Becker ist.
Event Seats? Das sind zwei mit Windsor-Leder bezogene Aluminium Sitze. Sie kosten 7.344 Euro extra und sollen der britischen Picknick Kultur gerecht werden. Mit diesem SUv soll man nicht rasen, lieber bequem am Auto sitzen, den Blick genießen – worauf auch immer – und lässig perfekt gekühlten Champus schlürfen, Erdbeeren mit Sahne vernaschen, Zitronentee mit Milch trinken oder ein Polo-Turnier verfolgen. All diese Dinge liegen mir genauso fern wie dieses Plus-Size-Luxus-Auto. Alleine schon aufgrund meines viel zu dünnen Portemonnaies und der VW-Bus-Sozialisation meiner Eltern.Jan Weizenecker
Absolvent der Volks- und Betriebswirtschaftslehre der Albert-Ludwigs Universität Freiburg. Mal in kleinerem, mal in weiterem Radius, aber immer mit der nötigen Portion Humor, berichte ich seit 2012 über die Neuerscheinungen der Automobilwelt.
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