Rétromobile Paris: Bis auf Ausnahmen war es schon immer etwas teurer…
Die Rétromobile Paris vom 7. bis zum 11. Februar zählt zu den wichtigsten Oldtimer-Veranstaltungen auf europäischem Boden. 550 Aussteller präsentieren in den großen Hallen eins, zwei und drei des Pariser Messegeländes Porte de Versailles alles, was den Puls begeisterter Oldtimer-Fans höher schlagen lässt – vom kleinen Modell über seltene Ersatzteile bis zur automobilen Rarität im Wert von mehreren Millionen Euro. Versteigerungen besonders edlen Blechs – wie zum Beispiel bei Artcurial, Bonhams oder Sotheby’s – bringen alljährlich ausgesuchte Karossen für sechs- und siebenstellige Beträge unter das gut betuchte Volk.
Beim wertvollsten Angebot, das Sotheby’s unter den Hammer nehmen will, einem Ferrari 166 MM Spider von 1953 für einen exakt halb so hoch eingeschätzten Preis wie sie die Konkurrenz dem fünf Jahre jüngeren Markenkollegen zubilligt, ist das nicht der Fall. Der Rennwagen nahm 1953 und 1954 an der Mille Miglia sowie dazwischen an einigen Berg- und regionalen Straßenrennen teil. 1955 spielte er im Sportdrama „Der Favorit“ eine tragende Rolle mit Kirk Douglas am Steuer.


Sotheby’s Auktionsmanager Augustin Sabatié-Garat ist sicher: „Das Auto ist für Sammler eine einmalige Gelegenheit. Für uns ist es eine große Ehre, ein so bedeutendes Auto, das einem hoch geschätzten französischen Star gehörte, zum ersten Mal öffentlich versteigern zu dürfen.“ Der Iso Grifo A3/C war ursprünglich für Langstreckenrennen konstruiert worden und wurde 1964 und 1965 Klassensieger in Le Mans. Seine Karosserie bestand aus einer speziellen Legierung aus Aluminium, Kupfer und Magnesium, die sehr leicht und elastisch aber schwer zu schweißen war, was bedeutete, dass sie – ähnlich wie ein Flugzeug – zusammengenietet werden musste. Sein Motor stammte von der Chevrolet Corvette, war aber im Detail überarbeitet worden.

Bonhams bietet in Paris 136 ausgesuchte Klassiker an. Die wichtigste Rolle dürfte ein Lamborghini Miura P400 S Coupé aus dem Jahr 1968 spielen, der einst im berühmten Oldtimer-Museum der Gebrüder Schlumpf im elsässischen Mülhausen stand und dessen Wert zwischen 1,2 Millionen und 1,4 Millionen Euro liegt. Zwischen seiner ersten Zulassung in Belgien und 2017 wurde das Auto selten gefahren und wenn, dann nur für kurze Ausflüge, die sich insgesamt nur auf rund 3000 Kilometer summierten. Rund ein Drittel der Bonhams-Offerten wurden vor dem Zweiten Weltkrieg produziert. Aber auch Youngtimer-Fans finden etwas für ihren Geschmack, so zum Beispiel zwei BMW Z3 Coupés, ein Ford Escort RS Cosworth oder ein Mercedes-Benz AMG E36 T-Modell.
Beim zweiten Hinsehen jedoch fällt der Blick auf eine Art Schrotthaufen. Im Katalog von Artcurial heißt es zurückhaltend: „Der Motor ist komplett und scheint in einem guten Zustand zu sein. Die Donnette ist dank ihrer Karosserie und der originellen und unverwechselbaren Mechanik ein äußerst seltenes Auto.“ Stimmt. Aber auch eines, in das der zukünftige Besitzer entweder einen Haufen Geduld, handwerkliches Geschick und Zeit investieren muss oder einen wahrscheinlich noch größeren Haufen Geld. ampnet
Fotos: Artcurial (3), Sotheby’s (4)
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