Jahresschlussverkauf bei Sotheby’s: 430 Autos und 150 Motorräder
Den Begriff „Duemila Ruote“ (italienisch für 2000 Räder) wählte das Auktionshaus Sotheby’s für seine Versteigerung am nächsten Wochenende (25. bis 27. November 2016) in Mailand. Dort sollen Autos, Motor- und Fahrräder, Boote, automobile Sammlerstücke und sogar drei historische Bobschlitten unter den Hammer kommen. Laut Sotheby’s handelt es sich um die größte Auktion von Fahrzeugen, die je auf europäischen Boden stattgefunden hat. Interessant an der Veranstaltung am Rand der gleichzeitig stattfindenden Milano Auto Classica, einer Ausstellung für Oldtimer und Sportwagen: Für einige der Objekte reichen auch durchschnittlich dicke Brieftaschen.
Die Auktionatoren von Sotheby’s werden am letzten November-Wochenende alle Hämmer voll zu tun haben. Immerhin wollen sie innerhalb von drei Tagen über 430 Autos, 150 Motorräder, 60 Rennboote und Hunderte von Fahrrädern unter die Leute bringen, darüber hinaus eine Vielzahl von automobilen Sammlerstücken wie Reklametafeln, historische Verkehrsschilder und Kinderspielzeug.

Dicht dahinter liegt ein drei Jahre jüngerer Ferrari 365 GTB/4 Daytona Berlinetta mit Scheinwerfer-Plexiglas-Abdeckung. Sein 4,4 Liter großer Motor bringt 259 kW / 352 PS auf die Straße und jeder seiner zwölf Zylinder hat einen Hubraum von 365 Kubikzentimetern. Davon leitet sich die Typenbezeichnung ab. Kostet der Wagen zu seiner Zeit um die 70 000 Mark, kalkuliert Sotheby’s heute für ihn zwischen 650 000 und 800 000 Euro.

Eine Auktion in Mailand erfordert eine ansehnliche Zahl einheimischer Produkte. Deshalb finden sich im Katalog auch 32 Alfa Romeo, 29 Lancia, 22 Maserati und vier Lamborghini wieder. In puncto Exklusivität entscheidet ein Maserati MC 12 aus dem Jahr 2004 das Rennen für sich. Sein Motor basiert auf dem des Ferrari Enzo, hat jedoch 20 kW / 27 PS weniger, also 465 kW 632 PS. Der Wagen, von dem lediglich 50 Exemplare produziert wurden, hat nur 6000 Kilometer auf dem Zähler. Sotheby’s will mit ihm einen Preis zwischen 1,1 Millionen und 1,3 Millionen Euro erzielen.
Erstaunlich groß ist der Beitrag deutscher und britischer Fahrzeuge zur Mailänder Versteigerung. So stellen sich 72 Porsche, 65 Jaguar und 17 Mercedes-Benz sowie von BMW zehn Autos und 22 Motorräder dem interessierten Publikum.

Mit einem Schätzpreis zwischen 55 000 und 65 000 Euro geht der Mercedes-Benz 280 SL aus dem Jahr 1968 fast als Sonderangebot durch. Die „Pagode“ war der erste SL, bei dem umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen eingeführt wurden: eine steife Fahrgastzelle und Knautschzonen, leicht verformbare Bug- und Hecksegmente. Mit 125 kW / 170 PS beschleunigt der Sportwagen bis auf 200 km/h Höchstgeschwindigkeit. Interessenten sollten allerdings darauf achten, dass bei dem Wagen Karosserie und Antrieb zusammengehören. Experten warnen: Nicht zum Baumuster der Karosserie gehörende Antriebe entwerten ein Fahrzeug gleich um fünfstellige Euro-Beträge. Von einer Wertanlage kann dann keine Rede mehr sein.
Bei BMW ragt ein Motorrad mit unrühmlicher Vergangenheit aus dem Angebot heraus. Es handelt sich um ein R-75-Gespann mit angetriebenem Beiwagen und Rückwärtsgang, das von 1941 bis 1944 gebaut und auch als überschweres Wehrmachtsgespann bezeichnet wurde. Es wurde unter anderem in der Wüste Nordafrikas bei Rommels Afrika-Korps sowie im Krieg gegen die Sowjetunion eingesetzt. 1944 wurde der Bau nach etwa 18 000 Einheiten eingestellt, da die aufwändig konstruierten Gespanne in der Produktion zu teuer waren. Zwischen 11 000 und 13 000 Euro will Sotheby’s für das Gespann haben, weshalb zu vermuten ist, dass es nicht komplett dem Original entspricht. Die Wehrmachtsgespanne sind wegen ihrer aufwändigen und robusten Technik als Sammlerobjekte sehr begehrt und im Topzustand um die 35 000 Euro teuer.

Augustin Sabatié-Garat, Autospezialist bei Sotheby’s, ist von der Mailänder Riesen-Auktion begeistert, zumal eine ansehnliche Menge an Fahrzeugen unter den Hammer kommt, die auch für Fans interessant sein könnten, deren Kontostand keinen siebenstelligen Betrag aufweist: „Die schiere Größe des Angebots ist überwältigend. Wer einen Porsche 911 sucht, hat die Qual der Wahl zwischen 60 unterschiedlichen Exemplaren für die – wie übrigens für alle Objekte der Auktion – kein Mindestpreis gilt. Wer scharf auf einen Jaguar E ist, hat die freie Auswahl zwischen 21 Fahrzeugen.“

Fotos: Sotheby’s
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